Hundert Meter ein Groschen …

Ähnlich aufregend ließe sich auch das Handwerk des Lektors (vor der digitalen Revolution) beschreiben:

Das ist Herr M. … Herr M. ist Lektor … Wenn Herr M. Zeit hat, geht er gerne mal ins Kino oder trifft sich mit Freunden … Herr M. lektoriert Texte … Hundert Zeichen ein Groschen … Warten auf den nächsten … Starten … Kaffee eingießen … Hinsetzen … Rotstift zücken … Los gehts … Lesen … Stirn runzeln … Schalten … Umblättern … Lesen … Stirn runzeln … Im Duden nachschlagen … Stelle rot markieren … Notiz an den Rand schreiben … Umblättern … Hundert Zeichen ein Groschen … Kaffee nachgießen … Lesen … Umblättern … Lesen … Zurückblättern … Stelle rot markieren … Notiz an den Rand schreiben … Rechter Rand … Linker Rand … Hundert Zeichen für einen Groschen … Zwischendurch Schweiß von der Stirn wischen … Rotstift putzen … Und wieder lesen … Umblättern … Stirn runzeln … Tanken … Und wieder lesen … Von morgens um sieben bis abends um sieben … Heute hat Herr M. zwei Texte lektoriert … Dabei hat er zwanzig Milliliter rote Tinte und einen Liter Kaffee verbraucht … und neunhundertzweiundvierzig Groschen eingenommen. [Am Ende Schnitt auf eine hämisch lachende Goethepuppe, die rote Tinte über ein Manuskript verschüttet.]

Ein Traumberuf.

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