Phantasma

Meine Fingerspitzen berühren ihren Oberschenkel knapp unter dem Bund ihrer Shorts, gleiten langsam über Knie und Wade hinab bis zum Knöchel, setzen erneut an, wiederholen die Bewegung, während mein Blick sich löst und in die entgegengesetzte Richtung wandert, über den Grat zwischen Becken und Brustkorb hinauf zu ihrem Gesicht, das ich kenne und nie zuvor so betrachtet habe wie jetzt in diesem Traum, und sie lächelt, und es ist nichts Anzügliches in diesem Lächeln, und ihre Augen strahlen, und es ist nichts Unschuldiges in diesem Blick und nichts, das herausfordert, mehr zu wagen als nur dieses sanfte, vollkommen selbstverständliche Streicheln. Es ist dieses Bild, das mir seit gestern Nacht nicht mehr aus dem Kopf geht, und mehr noch als das Bild ist es das Gefühl, das es in meinem Traum hervorgerufen hat und das ich sehr lange nicht mehr empfunden habe. Wenn es anhält, werde ich in diesem Winter keine Heizung brauchen, denke ich, aber ich weiß, dass es das nicht wird, und vielleicht will ich nur deshalb jetzt nicht schlafen gehen, weil ich befürchte, dass es schon morgen gänzlich verschwunden sein könnte. Denn für die Frau in meinem Traum gibt es in der Wirklichkeit keine Entsprechung, das Gefühl läuft ins Leere, und indem ich dies denke, spüre ich, wie mein ganzer Körper sich gegen diese Erkenntnis auflehnt: Begehren will er und findet nichts, worauf er es richten kann. Richte es auf mich zurück, sage ich endlich müde, schließe die Augen und hoffe auf einen traumlosen Schlaf.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s