kein aber

Er drückt den Stift so fest auf das Papier, dass es sich rollt. Kein Akt der Gewalt, eher der Verbissenheit – das störrische Tier will jedesmal neu gezähmt werden (nicht das innere) –, als hätt er Angst, die Buchstaben, Worte könnten ihm entgleiten; presst sie aufs Papier, bis sie sich nicht mehr, wie es ihre Art ist, frei bewegen können. Die so entstandenen Schriftrollen übergibt er mir zum Abtippen, zur Korrektur. Er weiß um seine Schwächen, meine Stärken, kommentarlos; sie nützen ihm, das genügt. Wir reden nicht über das, was er schreibt; was ich schreibe, interessiert ihn nicht. Es bleiben zwischen uns nur die stumm gewechselten Papiere; heimlich liest er manchmal ein paar Zeilen von mir, die er sich borgt von meiner Mutter; und manchmal sagt er zu anderen, auf mich angesprochen, nicht ohne Stolz: Das hat er von mir. Allein in unserem Schweigen liegt wohl die Anerkennung, die wir einander zollen.

 

der text entstand im märz 2000, und ihm ist noch immer nichts hinzuzufügen.

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